Anreise

Mittwoch 17. Juli 2002 – Nervöser geht’s kaum!

Endlich ging's los! Vormittags noch Kofferpacken und letzte Vorbereitungen treffen und am Mittag haben wir dann alles in den A3 von der Blumi gepackt und haben uns auf den Weg zur Marion gemacht. Der Verkehrsgott hatte ein Einsehen mit uns, und so kamen wir ganz gut voran. Als wir schon über die Hälfte des Weges zur Grenze zurück gelegt hatten fiel mir ein, dass ich die Speicherchips für die Digitalkamera vergessen hatte. Noch nicht mal Deutschland verlassen, und schon die erste Panne. Was würde das für ein Urlaub werden?

Der Rest des Tages verlief allerdings reibungslos und wie geplant. Wir haben Marion mit ihrem Gepäck zuhause abgeholt, und sind dann nach Zürich zum Flughafen gefahren um einzuchecken. Das gestaltete sich schwieriger als wird dachten, denn wir wollten ja gerne die Sitze am Notausgang wegen Beinfreiheit und so. Die junge Frau am Schalter hat uns dann irgendwas erzählt von wegen Küche und nur zwei Sitze am Notausgang etc., und dass das deswegen für vier Leute nicht geht usw. Wir haben dann irgendwelche Tickets genommen und beschlossen uns überraschen zu lassen. Auf dem Heimweg waren wir noch was essen, aber zu viel mehr hat's auch nicht mehr gereicht, schließlich mussten wir ja früh raus am nächsten Morgen.

Donnerstag 18. Juli 2002 – Petrus hat was gegen uns!

Es wurde ernst! Kurz nach 6:00 Uhr sind wir alle aus den Betten gekrochen, denn um 7:21 Uhr fuhr der Zug von Cham nach Zug. (Hier braucht sich keiner verarscht vorkommen, denn der Ort heißt wirklich Zug, genau wie der Kanton, und das alles liegt mitten in der Schweiz!) Wir sind also mit dem Bummelzug nach Zug gefahren. Dieser Bummelzug war allerdings viel schneller, als der Schnellzug von Zug nach Zürich, und das liegt nicht etwa daran, dass die Strecke Zug – Zürich viel länger ist als die Strecke Cham – Zug sondern vielmehr an der tatsächlichen Geschwindigkeit des Zuges.

Im Zug schockte uns die Marion gewaltig, als sie uns erzählte, wir bräuchten ja den Gutschein für den Mietwagen, und ob jemandem dessen Verbleib bekannt wäre. Natürlich wußte keiner was, ich wußte nicht mal, dass wir so was brauchen, und ein kleiner Anflug von Panik machte sich breit. Aber nach kurzem Suchen in Marions Rucksack war der Gutschein gefunden!

Dann sind wir ewig am Flughafen in Zürich rumgesessen, haben Kaffee getrunken und Skat gespielt, und darauf gewartet, dass man uns in die Maschine nach Frankfurt lässt. Bis das Flugzeug dann endlich gestartet ist, hatten wir schon 10 Minuten Verspätung. In Frankfurt waren wir schnell, es hat sich kaum gelohnt, sich anzuschnallen, aber der Flughafen war leicht überfüllt, und so mussten wir 20 Minuten über Frankfurt kreisen, bis wir endlich landen durften. Somit war wenigstens dafür gesorgt, dass wir uns am Flughafen nicht noch mal eine halbe Ewigkeit gelangweilt haben. Aus dem einen Flieger raus, und in den anderen Flieger rein; das war alles, was wir von Frankfurt gesehen haben! Na ja, mit 90 Minuten Anstehen an der Sicherheitskontrolle! Das Flugzeug nach L.A. hatte dann natürlich Verspätung, denn wir sind erst eingestiegen, da hätte es schon lange in der Luft sein sollen und nach uns kamen immer noch Leute.

Nach der "Stewardessen-Gymnastikshow" und dem ersten von zwei Essen, schauten wir im Bordkino Ice Age. Draußen gab's nichts zu sehen, da alles total bewölkt war. Über Grönland dann hatte das Wetter ein Einsehen mit uns und hat uns einen kurzen Blick aufs ewige Eis bewilligt bevor es wieder zugezogen hat.

Ich war auch das erste Mal in meinem Leben auf einer Flugzeugtoilette! War nicht gerade das überwältigendste Erlebnis meines Lebens, aber unumgänglich! Wobei die Klospülung ja wirklich faszinierend ist! Schon allein dieses schlürfende Geräusch...

Vor lauter Langeweile hab ich seitenweise Zeug in den zum Reisetagebuch umfunktionierten Block geschrieben, wie z. B. Folgendes:

19:30 Uhr MEZ
Es ist immer noch bewölkt und die Langeweile wird mich wohl irgendwann umbringen. Das schätze ich zumindest!

Oder das:

22:50 Uhr MEZ
Es ist immer noch furchtbar bewölkt! Wir sehen absolut nichts! Noch vor einer halben Stunde waren wir voll in den Wolken und in diese hat die Sonne geschienen. Das war so blendend hell draußen, dass man kaum zum Fenster raus schauen konnte. Ich dachte schon ich bin vor Langeweile gestorben und das wäre das helle Licht am Ende des Tunnels!

Aber keine Angst, wie wir alle wissen, lebe ich noch, und wir sind ja auch irgendwann in Los Angeles angekommen. Es sind übrigens ziemlich genau 10.000 km von Frankfurt nach L.A.

Das erste was man sieht, wenn man das Flugzeug verläßt, und über die Gangway das Flughafengebäude betritt, ist das breite Grinsen von G. W. Bush, auf einem Foto, das über der Treppe hängt.

Dann kommt die Passkontrolle, das umständlichste Verfahren, dass ich je gesehen habe. Zuerst muss man ja im Flugzeug schon so ein Formular ausfüllen, auf das man Name und Adresse schreibt, und die Adresse vom Zielort. Dann muss man einen ganzen Haufen Fragen mit Ja oder Nein beantworten. Das sind so Fragen wie:

"Beabsichtigen Sie in den USA ein Verbrechen zu begehen?"
"Werden Sie in den USA wegen einer Straftat gesucht?"
"Wollen Sie in den USA mit Drogen handeln?"
etc. etc.

Drunter steht auch: "Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantworten müssen, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Botschaft!" Ich glaube man wird erst erschossen, dann verhaftet und bekommt dann erst einen Termin bei seiner Botschaft. Hat man nun also diesen grünen Wisch an der Passkontrolle abgegeben, werden einem noch blöde Fragen bezüglich seines Aufenthaltes gestellt, und dann kann man endlich durch. Es folgt wie bei jeder Ankunft am Urlaubsort das allgemeine Totgetrampele an den Kofferbändern, und dann noch die Zollkontrolle. Aber wir hatten ja nichts zum Verzollen und 2 Minuten später standen wir vor dem Flughafen und haben uns erst mal eine Zigarette gegönnt!