01.08. - 02.08. Yosemite National Park / CA

Gegen Nachmittag hatten wir die Wüste hinter uns gelassen, und ein panischer Blick auf die Temperaturanzeige teilte uns mit, das außerhalb des Fahrzeuges unglaubliche 13C herrschten. Wir drehten die Heizung auf!

Am frühen Abend erreichten wir Mamooth Lake, idyllisch gelegen in einem Tal, umgeben von Wäldern, Bergen und Seen. Hier herrschten wieder akzeptable 26C und wir beschlossen, dass wir nach der langen und zugegeben anstrengenden Autofahrt noch eine Runde baden gehen. Der Outdorpool war beheizt, und das war wohl auch gut so. 26C können verdammt kalt sein!

Abends sind wir wohl in der "Eingeborenenkneipe" gelandet, zumindest hatte ich nicht das Gefühl, dass es außer uns viele Touristen dort gab. Man hat beim Reinkommen schon bestellt was man zum Essen und zum Trinken haben wollte, hat dann eine Nummer bekommen, und wenn die Nummer aufgerufen wurde, musste man sich sein Essen selbst holen. Dafür war es preiswert und geschmeckt hat es auch.

Mehr haben wir an diesem Tag auch nicht mehr gemacht. Die Autofahrt war lang und anstrengend, und am nächsten Morgen wollten wir ja wieder früh los.

Freitag 02. August 2002 Rattelsnake und Geisterstadt

Bereits um neun Uhr machten wir uns auf den Weg in Richtung Yosemite-National-Park, eine schöne Landschaft, die völlig im Kontrast zu dem steht, was wir bis dorthin gesehen haben. Im Yosemite-National-Park hat man das Gefühl, als befände man sich bereits mitten in den Rocky-Mountains, dabei befindet man sich nicht mal in der Nähe. Zumindest nicht, wenn man vom "in der Nähe liegen" europäischer Größenverhältnisse ausgeht. Schön ist es dort trotzdem, auch wenn ein Teil des Parks vor einigen Jahren einem Waldbrand zum Opfer gefallen ist.

Einer der bekanntesten Aussichtspunkte des Parks, der Glacier Point befindet sich auf einem Berggipfel hoch über der Talsohle des Yosemite-Valleys. Von dort hat man eine tolle Aussicht über das Zentrum des Parks, ein paar der unzähligen Seen und die umliegenden Berggipfel und Wasserfälle.

Da man mit dem Auto an den Aussichtspunkt hinfahren kann, ist er natürlich total mit Touristen überlaufen. Trotzdem war das das einzige Mal im ganzen Urlaub, dass wir eine Klapperschlange gesehen haben. Wir waren gerade damit beschäftigt, die Reste unseres Eises zu entsorgen, das wir am Kiosk gekauft hatten, und Marion, die sich die Hände mit Eis besudelt hatte, war auf dem Weg zu einem dieser Trinkwasserspender, um sich die klebrigen Hände zu waschen, als sie auf einmal wie wild zu winken beginnt. Zuerst haben wir uns nur widerwillig bewegt und unseren schönen schattigen Platz aufgegeben, aber dann hat die Marion "Klapperschlange!" gerufen, und da haben der Guido und ich uns aber beeilt.

Während wir hektisch die Fotoausrüstung aus den Taschen zerrten, ist das Blumi kleinlaut wieder zurück unter das Vordach des Souvenirladens. Allerdings gab es wohl auch genügend Amerikaner, die das Wort "Klapperschlange" übersetzen konnten, und so gab es binnen kürzester Zeit einen riesigen Menschenauflauf. Das arme Tier bekam Angst und hat sich zwischen ein paar Steinen verkrochen, um die herum dann die Touristen standen, in der Hoffnung die Schlange würde noch mal herauskommen. Wir hatten bereits unsere Bilder und konnten uns in aller Ruhe auf den Weg ins Besucherzentrum begeben. Die hatten zur allgemeinen Freude auch einen Souvenierladen, den wir umgehend genauer unter die Lupe genommen haben. Nach ausgiebigem "Pflichtshopping" suchten wir dann diesen berühmten Wasserfall auf, über den zur Schneeschmelze gewaltige Wassermengen ins Tal donnern. Da aber im Bundesstaat Kalifornien im August die Schneeschmelze leider schon vorbei ist sahen wir nichts weiter als ein jämmerliches Rinnsal, das glitschige Spuren auf den übergroßen Kieselsteinen hinterließ. Schade, aber kann man nichts machen!

Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte uns, dass es sowieso Zeit war den Park zu verlassen, da wir an diesem Tag noch möglichst weit in Richtung San Francisco kommen wollten. Auf San Francisco freuten wir uns alle, wissen wir doch, dass es die Stadt der Verrückten und Durchgeknallten ist. Aber die Freude wuchs noch, als wir mit Hilfe der Landkarte, die wir am Eingang zum Park mitbekommen hatten, feststellten, dass an der Straße, die nach Verlassen des Parks durch das Tal führte, eine Geisterstadt lag. Das ganze roch verdammt noch mal nach Abenteuer, und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Geisterstadt war auf der normalen Straßenkarte nicht zu finden. So sind wir einfach mal drauf los gefahren, und als wir durch das Dorf durch waren, das angeblich gleich neben der Geisterstadt liegen sollte, mussten wir feststellen, dass es da mitten in der Pampa keine Möglichkeit mehr gab den Bach zu überqueren. Also wieder zurück ins Dorf, wo wir verzweifelt nach einem Weg suchten. Und plötzlich stand da ein Schild am Straßenrand, auf dem die Geisterstadt ganz offiziell angeschrieben war. Wir folgten diesem Wegweiser, und zunächst war es auch ganz in Ordnung, eine zwar sehr schmale aber immerhin geteerte Straße. Irgendwann wurde aus der geteerten Straße ein besserer Feldweg, auf dem die Schlaglöcher dann aber immer häufiger auftraten, und als dann am Straßenrand ein von Schußwaffen durchsiebtes Schild auftauchte, auf dem so was stand wie "Jagen verboten!", fühlte ich mich fast wie im wilden Westen. John Wayne lässt grüßen!

Von der Stadt konnte man leider nicht viel sehen, da sie grade renoviert wird. Hört sich paradox an, ist aber so. Alles war eingezäunt, und ein großes Tor hielt einen davon ab, die staubige Straße dieses Dorfes zu betreten. Einzig und allein die Kirche konnte man von außen und mit gebührendem Abstand besichtigen und etwas außerhalb lag der Friedhof, der nicht renoviert wird, und daher begehbar ist. Es handelte sich hier um eine Hand voll Gräber, die noch von irgend jemand gepflegt werden, und ein großes Schild, auf dem man die Geschichte der Stadt nachlesen kann. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, um welche Jahreszahlen es ging aber es ist sicher, dass man im gar nicht so weit entfernten Hollywood schon großes Starkino produzierte, als sich hier die Indianer und die Zuwanderer noch bekriegten. Das zwang letztlich die weißen Siedler auch dazu ihr Städtchen aufzugeben.

Wir gaben unserer Abenteuerexpedition auch auf, und sind wieder zurück gefahren auf die Hauptstraße um etwas zum Essen zu suchen.

Frisch gestärkt ging es dann weiter, auf dem schnellsten Weg nach San Francisco. Es neigte sich schon dem Abend zu, wir waren alle müde, und hatten eigentlich keine große Lust mehr, noch weiter zu fahren. Also haben wir am nächsten Motel angehalten, das uns über den Weg lief. An der Einfahrt zum Parkplatz stand ein großes Schild, auf dem mit bereits abblätternden Lack die Werbung fürs Motel gemacht wurde. Man versucht tatsächlich die Gäste mit Farbfernsehen anzulocken. Ich fand das eigentlich vom ersten Moment an unsympathisch, aber ich war müde und hätte wahrscheinlich jedes Zimmer genommen, das wenigstens ein Bett hat. Also sind wir rein, in die winzige Rezeption, und dort saß ein schon etwas älter, ungepflegter ich schätze mal Mexikaner, der uns nur zu gerne ein Zimmer vermietet hätte. Die Preise waren gleich wie bei allen anderen Motels auch, und so orderten wir zwei Doppelzimmer. Als wir dann aber mit Kreditkarte bezahlen wollten, erklärte uns der Mann hinter der Theke, der nur gebrochen Englisch sprach, dass das Kreditkartenlesegerät defekt sei. "Machine Problem! Machine Problem!" hat er immer wieder wiederholt, und wir hatten nicht genügend Bargeld dabei um die Zimmer zu bezahlen. Also haben wir uns wieder in unser Vehikel geschwungen und sind weiter in Richtung San Francisco gezogen.

Kurz vor den Toren der Stadt haben wir es dann doch noch geschafft, eine Unterkunft zu finden. Allerdings hatten wir gleich ein Problem dabei die Zimmertür zu öffnen. Der Guido hat eine Weile mit der "Eintrittskarte" an der Tür gearbeitet, und dann haben wir aufgegeben und haben die Dame am Empfang informiert. Die ist dann gekommen, und hat die Tür geöffnet. Warum und weshalb das bei ihr funktioniert hat und bei uns nicht, kann ich leider nicht nachvollziehen.