31.07. - 01.08. Death Valley / CA

Mittwoch 31. Juli 2002 Das Tal des Todes oder die im Exil lebende Seemöwe

Death Valley Todes Tal

So oder so ähnlich muss wohl die Übersetzung heißen. Ich habe meine eigene Theorie zu diesem Thema aufgestellt: Das Death Valley heißt nicht etwa Death Valley, weil es dort kein Leben gibt, das stimmt nämlich ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil mal abgesehen von den vielen Touristen die da einfallen sollen angeblich auch ca. 900 Pflanzen- und ca. 400 Tierarten diesen ungastlichen Landstrich bewohnen. Ich persönlich glaube, das das Death Valley Death Valley heißt, weil man wenn man das klimatisierte Auto verläßt und nicht innerhalb von 10 Minuten zurückkehrt oder einen anderen Raum mit Klimaanlage oder einen Pool aufsucht an einem Hitzschlag stirbt.

Man fällt einfach tot um, der leblose Körper trocknet innerhalb von Minuten aus, und nach zwei Tagen wird das letzte übriggebliebene Häufchen Staub vom Wind über den Wüstenboden verteilt. Außerdem gibt es dort mehr Daimler-Fahrzeuge als in Stuttgart. Die testen dort ihre neuen Modelle aus. Sobald sie allerdings irgendwo anhalten, um etwas zu trinken z.B., werden die Kisten gleich abgedeckt und so hat man nicht die geringste Chance etwas genauer hinzuschauen.

Wir sind sowieso nirgendwo ausgestiegen, da wir uns darüber einig waren, dass 52C im Schatten zuviel sind um sich auch nur im Geringsten unnötig zu bewegen.

Am Motel angekommen haben wir mal vorsichtig die seitliche Schiebetür aufgemacht und die Temperatur gefühlt. Es empfiehlt sich wirklich einen stabilen Kreislauf mitzubringen! Die Hitze an sich wäre glaube ich gar nicht so schlimm, denn es ist mit grade mal 18% Luftfeuchtigkeit extrem trocken, aber die gnadenlose Sonne trocknet einem in kürzester Zeit das Gehirn aus. Ich wäre beinahe gestorben, als wir nur das Gepäck vom Auto ins Zimmer bringen mussten, was ein gigantischer Fußweg von etwa 5 Metern war. Im Zimmer lief die Klimaanlage zum Glück schon auf Hochtouren, so dass man es zumindest aushalten konnte. Das bedeutet: Nix wie rein ins Zimmer, Tür verrammeln, um jeglichen Temperaturaustausch mit der Außenwelt zu vermeiden, und Vorhänge zuziehen, um unnötige Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Und dann hatte ich eine geniale Idee: Ich könnte mich auf den Badewannenrand setzen und die Füße mit kaltem Wasser abbrausen. Ich also rein ins Bad, Füße in die Wanne und den unbeschrifteten Wasserhahn angestarrt. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich, erst das linke Ventil zu öffnen. Ich testete die Wassertemperatur und kam zu dem Schluss, dass es sich um den Warmwasserhahn handeln musste. Also wieder zuschrauben und andere Seite aufdrehen, Finger drunter halten und schreien! Kochend heiß war das Wasser, ich hätte mir beinahe die Hände verbrüht. Im Death Valley gibt es kein kaltes Wasser! Ich war der Lacher der Nation!

Kurz darauf haben wir uns dann in den Pool gestürzt, der einzige Ort an dem man es ohne Klimaanlage aushalten konnte. Das es um die Motelanlage herum unzählige Vögel gab haben wir schon bei der Ankunft festgestellt, aber am Pool machten wir eine Entdeckung, die für allgemeines Erstaunen sorgte: eine Seemöwe! Mitten in der heißesten Wüste Amerikas eine ausgewachsene Seemöwe. Wie die da hingekommen ist weiß wohl keiner, aber wir haben alle gemeinsam vermutet, dass sie wohl darauf wartet, dass die blöden Menschen endlich den Pool räumen. Das haben wir dann auch irgendwann getan, haben unserer Handtücher geschnappt und sind zurück ins Zimmer. Bis wir dort waren, waren wir auch schon wieder trocken, und ich hatte geröstete Fußsohlen, da ich der Meinung war, ich könnte den kurzen Weg zwischen Pool und Motelzimmer auch barfuss zurücklegen.

Am Abend waren wir im Restaurant des Motels, haben uns am Buffet den Bauch vollgeschlagen und sind anschließend noch in den Saloon um ein Bier zu trinken und ein wenig Karten zu spielen. Mehr Freizeitangebote gab es nicht, was nach Las Vegas schon eine harte Umstellung war. Der Kellner in im Saloon wollte von der Blumi sogar den Ausweis sehen, weil er ihr nicht geglaubt hat, dass sie schon über 21 ist. Blumi hatte den Ausweis natürlich im Zimmer liegen lassen, aber nachdem wir glaubhaft versichert hatten, dass Blumi bereits 22 Jahre alt ist, hat sie ihr Bier auch ohne sich ausweisen zu müssen bekommen. In dieser Beziehung ist das kalifornische Recht sowieso etwas komisch: Alkohol unter offenem Himmel ist verboten, also nix mit Sauforgien am Lagerfeuer, und dafür ist in öffentlichen, geschlossenen Räumen, das Rauchen verboten.

Donnerstag 01. August 2002 Endlich wieder grün

Gibt es etwas herrlicheres, als wenn einem Morgens, noch vor dem Frühstück, über 40C durch die geöffnete Tür entgegen blasen? So ist aufstehen im Death Valley!

Nach kurzem Souvenir- und Nahrungsmittelerwerb machten wir uns auf den Weg die Wüste hinter uns zu lassen.

Die schier endlosen Ebenen und Gebirgszüge des Death Valley ziehen sich aber wie ein Kaugummi, man braucht mit dem Auto schon Stunden und es gibt tatsächlich Leute, die machen das mit dem Fahrrad.

Als wir uns mitten auf dem Salzsee befanden, über den die Straße führt, haben wir mal angehalten und sind ausgestiegen um etwas für die Daheimgebliebenen einzusammeln. Wir kennen ein paar Sandsammler, und für die haben wir etwas von der krümeligen weißen Erde mitgenommen.