29.07. - 31.07. Las Vegas / NV

Montag 29. Juli 2002 Zockerglück und Luxusschuppen

Endlich führte uns unser Reiseplan nach Las Vegas, der Höhepunkt, auf den ich mich schon Monate vorher am meisten gefreut habe. Zugegeben, zuerst wollte ich gar nicht hin, ich wollte Los Angeles und San Francisco sehen, und natürlich die Naturwunder Amerikas, aber Las Vegas interessierte mich nicht im Geringsten. Da es aber ohnehin auf dem Weg lag, und alle anderen unbedingt hin wollten, stand es nach der Fertigstellung des Urlaubsplans auch mit auf der Reiseroute. Daraufhin habe ich mich natürlich auch über dieses Ziel informiert, und um so mehr ich mich damit befasst habe, um so mehr hab ich mich drauf gefreut. Heute bin ich froh, dass wir dort waren, und ich gebe zu, dass es mit das beeindruckendste Erlebnis im ganzen Urlaub war.

Las Vegas ist tagsüber eigentlich keine schöne Stadt, zumindest nicht für mein Empfinden. Ok, sie haben den größten "Giftshop" der Welt, behaupten sie zumindest, aber ansonsten ist es ziemlich trostlos. Eben mitten in der Wüste!

Wir sind also tagsüber dort angekommen, und gleich mitten im Großstadtverkehr stecken geblieben. Unser erstes Ziel war das Treasure Island, da "klein Carmen" ja unbedingt dort übernachten wollte. Das Hotel war schon überwältigend, super pompös und gebaut in Dimensionen, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht gesehen hat. 2.891 Zimmer hat dieses Hotel, dazu unzählige Restaurants, ein riesiges Casino, Souvenirläden, Pool und andere Freizeitmöglichkeiten. Eigentlich sollte man sich mal zwei Wochen Zeit nehmen, um Las Vegas und all seine Hotels zu bestaunen. Da die riesigen, themenbezogenen Hotelkomplexe frei zugänglich sind, sind zwei Tage auf keinen Fall ausreichend um all die Attraktionen zu bewundern.

Als wir das Treasure Island endlich erreicht haben, haben wir das Auto im kostenlosen Parkhaus abgestellt und machten uns auf die Suche nach der Rezeption. Wir haben sie auch gefunden! Am Eingang Stand eine Blumenvase mit einem Blumenstrauß drin, den sicher kein Mensch alleine tragen kann, und hinter der 50 Meter langen Theke standen mindestens 10 Hotelangestellte, die die neuen Gäste begrüßten und ihnen die Zimmerschlüssel gaben. Also haben wir uns auch an einer Schlange angestellt, um ein Zimmer zu ergattern. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass wir den langsamsten Empfangsherren erwischt haben, den Las Vegas zu bieten hat. Dass er während der Arbeit nicht eingeschlafen ist war auch schon alles. Glücklicherweise hatten wir uns schon im Vorfeld darauf geeinigt, dass uns ein Zimmer reicht, denn als der Gutste in der roten Jacke den zu bezahlenden Betrag über die Theke nuschelte, hätte uns beinahe der Schlag getroffen. 206 US-Dollar!!! 206 Dollar für eine Übernachtung ohne Frühstück! Aber wir waren ja auf Urlaub, und man gönnt sich ja sonst nix. Also haben wir das Zimmer genommen, und nach Erhalten der Schlüssel, haben wir uns gleich auf den Weg gemacht, unser Nachtlager zu erkunden. Nach kleineren Schwierigkeiten mit der Beschilderung der Aufzüge und Gänge, haben wir unser Gemach eigentlich schnell gefunden, wenn man bedenkt wie groß das Haus ist.

Der Ausblick aus dem Zimmer war überwältigend, wir hatten freie Sicht auf den Abzug der Klimaanlage. Gut, was soll's, ein Zimmer mit Aussicht auf den Strip hätte uns wohl allen besser gefallen, aber wir wollten in diesem Zimmer ja nur schlafen und nicht zwei Wochen unseres Lebens verbringen. Wieder an den Aufzügen angekommen, schlug ich vor, dass sich jeder eine Tür aussuchen sollte, und wessen Tür zuerst aufgeht, der hat gewonnen.

"Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht!"

Und "bing" mein Aufzug war zuerst da. Logo ich hab mich gefreut, aber die Freude hat auch ganz schnell wieder nachgelassen, als ich mich mit all meinem Hab und Gut bepackt quer durchs Casino schleppen musste. Zurück in unserer Lagerstätte haben wir alles stehen und liegen lassen, und haben uns sofort auf den Weg ins Casino gemacht. Am Aufzug haben wir das Spielchen noch einmal wiederholt, und siehe da, ich habe wieder gewonnen. Nun war ich fest davon überzeugt, dass es sich um meinen persönlichen Glückstag handeln musste, und so war moralisch dafür gerüstet, auch um Geld zu spielen. Ich hatte einen 100$-Reisescheck dabei, da ich mir ein Limit von 50 $ pro Abend gesetzt hatte. Außerdem hatte ich noch ein paar Dollar in der Hosentasche und das musste als Spielgeld reichen. Wir drehten also eine Runde durchs Casino des Treasure Islands, tauschten unsere Reiseschecks in Geldscheine und beschlossen dann erst einmal etwas essbares zu suchen und uns auf die Lange Zockernacht vorzubereiten. Schnell war ein Restaurant gefunden, in dem wir uns unsere hungrigen Mägen mit "Chicken Parmesan" füllten. Das war ein Hähnchenbrustfilet mit Spaghetti, Tomatensauce und Parmesan. Als Vorspeise im Preis einbegriffen war entweder eine Suppe oder ein Salat und natürlich Brot mit Butter.

Frisch gestärkt und guter Laune machten wir uns also daran unsere Dollars zu verspielen. Angefangen haben wir an den ¼-Dollar-Automaten. Sprich: Ich habe 5 Dollar getauscht, habe dafür 20 25-Centstücke erhalten und diese in nicht mal 10 Minuten verloren. Nach kurzer Diskussion mit anschließender Abstimmung wurde einstimmig beschlossen, dass das auf die Dauer zu teuer wird, und so sind wir auf die 5-Cent-Automaten umgestiegen. Da schiebt man einen 5-Dollarschein rein, drückt auf "auszahlen" und erhält 100 Münzen. Da kann man dann auch eine ganze Weile mit spielen. Ich hab es sogar geschafft den Automaten leer zu machen. Dann sind zwei Tanten gekommen, haben den Automat mit einer Karte und einer Geheimnummer geöffnet, haben einen großen Sack 5-Censtücke rein geleert und ich konnte weiter spielen. Als wir nach einiger Zeit beschlossen, das Casino zu wechseln, hab ich mein Geld wieder in Scheine umtauschen lassen, weil so ein Eimer voller Münzen auf die Dauer doch schwer wird, und man glaubt es kaum, ich habe Gewinn gemacht.

Es war schon dunkel, als wir aus dem Treasure Island raus kamen, die Straße überquert haben und im Venetian (3.036 Zimmer) verschwunden sind. In diesem Hotel kann man mit echten Venizianern in echten venezianischen Gondeln durch die nachgebauten Kanäle Venedigs fahren. Um mit Obelix' Worten zu sprechen: "Die spinnen die Amis!"

Auch hier hat, wie in allen Hotels, das Casino eine magische Anziehungskraft auf uns ausgeübt. Solange man spielt sind ja auch die Getränke umsonst, zumindest die alkoholfreien. Das Ambiente in diesem Casino hat mir allerdings weniger gefallen. Ich weiß zwar nicht, ob es den anderen genauso gegangen ist, aber auf jeden Fall sind wir bald wieder gegangen, und haben das Ceasars Palace (2.400 Zimmer) aufgesucht. Und das ist echt der Hammer, denn im Untergeschoß dieses Hotels befindet sich eine Einkaufsstraße der besonderen Art. Zugegeben, ich war noch nie in Rom, aber ich glaube, diese Straße kommt der Realität des antiken Roms schon sehr nahe. Gepflasterte Straßen, große Plätze mit riesigen Brunnen, unzählige Statuen und die gewölbte Decke ist mit Wolken bemalt und wird je nach Tages- bzw. Nachtzeit anders beleuchtet.

Als wir ins Casino des Ceasars Palace gekommen sind, habe ich beschlossen, einfach noch 5 Dollar zu verspielen, und dann aufzuhören. Wenn man aber nun irgendwann keine Lust mehr hat, und eigentlich verlieren will, dann verliert man nicht. Also habe ich zwei Stunden lang meine 5-Centstücke in ein und den selben Automaten geworfen, und es wurden einfach nicht weniger. Als wir beschlossen, uns auf den Rückweg zu machen, um unsere Betten aufzusuchen, habe ich das Kleingeld zurück getauscht in Scheine und siehe da, man hat mir fast 8 Dollar ausbezahlt.

Als wir endlich zurück waren in unserem Hotel, sind wir in die bequemsten Betten des ganzen Urlaubs gefallen und haben solange geschlafen, wie es uns möglich war, da wir ja um 12 Uhr das Zimmer geräumt haben mussten.

Dienstag 30. Juli 2002 Der Hooverstaudamm

Nachdem alle geduscht und gepackt hatten, haben wir das teure Hotelzimmer geräumt, da wir beschlossen hatten, die 2. Nacht in Las Vegas in einem weniger teuren Hotel zu übernachten. Wir suchten das gleiche Restaurant wie am Vorabend aus, und da das Blumi und ich uns mit dem amerikanischen Frühstück nicht so ganz anfreunden konnten, und weil es ja auch schon Mittag war, haben wir gleich noch einmal dieses leckere "Chicken Parmesan" gegessen.

Anschließend haben wir uns ins Auto gesetzt und sind zum Hooverstaudamm gefahren. Heute bin ich davon überzeugt, dass das keine so gute Idee war, den Staudamm mittags zu besuchen. Es hatte unerträgliche 50C, kein Lüftchen hat sich bewegt, und weit und breit gab es keinen Schatten. Wären wir nur mal morgens auf die Besichtigung gegangen, dann hätten wir uns vielleicht nicht gefühlt wie ein paar Rindersteaks, die auf heißem Stein gebraten werden. Aufgrund der Hitze haben wir uns auch bald wieder auf den Rückweg gemacht, denn im Auto kann man der gnadenlosen Wüstensonne zwar nicht entgehen, aber die Klimaanlage hat es wenigstens ein bißchen erträglicher gemacht.

Zurück in Las Vegas haben wir zwei Zimmer im Super-8-Motel gemietet, unser Gepäck in diesen abgestellt, und uns dann wieder ins schillernde Leben der Casinos gestürzt. Draußen brannte immer noch die Sonne und so entschieden wir uns, gleich ins erste Casino zu gehen, das wir finden. Wir mussten nicht lange suchen, schließlich ist die ganze Stadt ein riesiges Casino, und so landeten wir in einem winzigen Etablissement auf der anderen Straßenseite. Lange haben wir es dort allerdings nicht ausgehalten, denn wir wollten ja in die großen berühmten Casinos, in die Hotels am "Strip", der Hauptstraße von Las Vegas, dorthin wo sich Tag und Nacht Menschenmengen über die Straße schieben und 24 Stunden am Tag das absolute Verkehrschaos herrscht.

Ich schätze, dass das Luxor (4.476 Zimmer) eines der berühmtesten Hotels der Welt ist. Wer kennt sie nicht, die große schwarze Glaspyramide mit der Sphinx vor dem Haupteingang? Da mussten wir natürlich auch rein, und zugegeben, es handelt sich um eine absolut geniale Hotelanlage. Allerdings war zumindest mir das Glück in diesem Spielcasino nicht hold. Lange sind wir auch nicht geblieben, denn schließlich wollten wir ja noch mehr sehen, und so haben wir uns auf den Weg Richtung Excalibur (4.032 Zimmer) gemacht, dem "Merlin-Hotel" das von innen wesentlich beeindruckender ist als von außen. Laufen braucht man dabei nicht, man kann die komplette Strecke auf Fließbändern zurücklegen und dabei durch die Glaswände auf die in allen Farben leuchtende und blinkende Straße hinunter schauen.

Da uns so etwas wie ein Hungergefühl überfiel, suchten wir nach einem Restaurant, das unseren Vorstellung entsprach. Das erwies sich als schwerer als zunächst gedacht, denn alle anderen Menschen in Las Vegas schienen im selben Moment die gleiche Idee gehabt zu haben. Wir haben dann tatsächlich nach längerem Suchen und Warten einen Tisch bei einem Italiener bekommen, bei dem sogar zwei Musiker für Livemusik gesorgt haben. Allerdings hätte der Salat und das Knoblauchbrot, das wir als Vorspeise bestellt hatten, vollkommen ausgereicht. Im eigentlichen Essen haben wir dann alle mehr oder weniger lustlos mit der Gabel gerührt um dann mehr als die Hälfte wieder zurückgehen zu lassen.

Nachdem wir auch dieses Casino getestet hatten, haben wir dem Stratosphere (2.444 Zimmer) einen Besuch abgestattet. Zum Hotel gehört ein 300 Meter hoher Aussichtsturm auf dessen Spitze sich nicht nur ein 50 Meter hoher Freefalltower sondern auch eine Achterbahn befindet.

Auf dieses Fahrvergnügen mit garantiertem Nervenkitzel haben wir aber verzichtet und dafür jede Menge Bilder vom nächtlichen Las Vegas gemacht. In dieser Stadt wird es wirklich niemals Nacht!

Und dann haben wir uns noch mal ins Straßengewühl gestürzt, um Fotos der von Tausenden von Birnen erhellten Hotels zu machen.

Zum krönenden Abschluß des Abends haben wir dann noch das Casino neben unserem Motel besucht. Dort hat die Marion aus ihren letzen 20 Cent noch 60 Dollar gemacht und war dann die einzige, die mit Gewinn aus der Stadt gegangen ist.

Um 5:30 Uhr bin ich dann wie ein Stein in mein Bett gefallen.

Die beliebteste Attraktion von ganz Las Vegas, die Piratenshow vor dem Treasure Island, haben wir leider nicht gesehen, obwohl wir es ganz fest vor hatten. Na ja, man kann ja nicht alles haben und die Automaten können einen schon die Zeit vergessen lassen. Nach zwei Tagen Las Vegas kann ich die Leute, die spielsüchtig sind, ganz gut verstehen.

Erkenntnis des Tages: Wer zulange mit 5-Cent-Münzen spielt, bekommt silberne Hände, da die quasi aus 100% Nickel bestehen.