25.07. - 27.07. Page / AZ

Als wir dann im Hotel in Page eingecheckt hatten, haben wir uns auch gleich auf den Weg gemacht, und als erstes stand Horseshoe-Bend auf dem Plan, eine Stelle, an der sich der Colorado nicht nur sehr tief in sein felsiges Flußbett gegraben hat, sondern auch noch eine Kehre macht, die wirklich wie ein Hufeisen aussieht. Allerdings liegt er mitten in der Wüste, laut Wegweiser 1,5 Kilometer abseits der Straße. So haben wir das Auto auf dem ausgeschilderten Parkplatz abgestellt und sind losgelaufen. 1,5 Kilometer sind nicht viel, aber bei 45 C mitten in der Wüste über Sanddünen klettern... da können 1,5 Kilometer sehr weit sein. Gelohnt hat es sich jedoch allemal, wir hatten eine wirklich schöne Aussicht, und außer uns war nur noch ein einzelner Mann der den Weg auf sich genommen hat.

Der Rückweg war noch anstrengender, denn der obere Rand des Horseshoe lag deutlich tiefer als der Parkplatz, was ordentlich Höhenmeter bedeutete.

Aber auch das haben wir geschafft, und zur Erholung haben wir beschlossen den Staudamm vom Lake Powell anzuschauen. Ein wirklich interessantes Bauwerk, auch wenn ich von der Führung nur die Hälfte verstanden hab, weil hinter mir dauernd zwei Franzosenkinder rumgequengelt haben. Siebzehn Jahre hat es gedauert, bis der See nach Fertigstellung des Dammes voll gelaufen war. Zwei Stunden später hat es das Blumi geschafft, das Bad innerhalb von wenigen Minuten unter Wasser zu setzen, weil sie den Duschvorhang zwar zugezogen aber nach außen hängen hat lassen. Damit übertraf sie all meine Erwartungen in Bezug auf ihre Dussligkeit!

Nach Beseitigung der Sauerei waren wir dann noch in einem Büro in dem man geführte Touren durch den Antelope Canyon buchen konnte, und nach dem Abendessen sind wir ins Bett gefallen wie ein Sack voller Steine und haben geschlafen wie die Murmeltiere.

Freitag 26. Juli 2002 Wir haben den Zeitplan aus den Augen verloren

2. Tag in Page!

Mit Ausschlafen war nicht viel, denn um 10:00 Uhr ging der bereits gebuchte Ausflug los, und wir wollten ja nicht die letzten sein. Das waren wir auch nicht, ganz im Gegenteil, aber wir waren völlig "overdressed". Man hätte meinen können, wir wollten eine Tageswanderung machen! Ausgerüstet mit leichten Wanderschuhen, die sich ja heute Trekking- oder Outdoorschuhe nennen, Rucksack, Kappe, Verbandszeug etc. haben wir darauf gewartet, dass es endlich los geht. Mit uns saßen auf der überdachten Pritsche des Autos noch 4 Amerikaner in ausgelatschten Turnschuhen, kurzer Hose und T-Shirt. Hätten wir damals gewusst, dass der Canyon nur 110 Meter lang ist, und man bequem und ebenerdig durchgehen kann, dann hätten wir wahrscheinlich auch nicht soviel mitgeschleppt. Eigentlich wäre es auch viel sinnvoller gewesen eine Eishockey-Schutzausrüstung mitzubringen, denn als der Fahrer von der Straße abbog und quer durch die Pampa holperte, auf Wegen, denen man gar nicht ansah, dass sie befahren wurden, hat es uns auf der Pritsche ganz schön hin und her gebeutelt. Die Tortur der Anreise auf sich zu nehmen hat sich aber auf jeden Fall gelohnt!

Der Antelope Canyon ist ein Spalt in einem riesigen roten Sandsteinfelsen, an manchen Stellen so schmal, dass man grade noch durchgehen kann und nur an wenigen Punkten von Tageslicht erhellt. Genau wie beim Grand Canyon handelt es sich auch hier um ein Wunder der Natur, das man mit Worten gar nicht beschreiben kann.

Das einzig weniger erbauliche war vielleicht die schwarze Witwe, die in einer dunklen Ecke der Schlucht hing und die uns unser Führer voller Stolz und mit Zuhilfenahme einer Taschenlampe präsentierte. Da ich nun mal kein Spinnenfan bin, hab ich gleich das Weite gesucht, ohne überhaupt hinzuschauen. Ich hab mal eine schwarze Witwe im Fernsehen gesehen, und bin auf weitere Bekanntschaften mit dieser Tiergattung nicht scharf.

Fotografiert haben wir natürlich wieder wie die Wilden, und vom Weitwinkelobjektiv für die Digitalkamera bis hin zum Stativ für die Spiegelreflexkamera war ja auch alles dabei was uns an Fotoausrüstung zur Verfügung stand. Als wir dann den gleichen Weg durch den Canyon wieder zurück gegangen sind, waren wir wirklich froh, dass wir die erste Führung am Vormittag gemacht haben und nicht die am Mittag. Touristen über Touristen wurden mit mehr oder weniger komfortablen Vehikeln vor dem Eingang abgeladen und so waren wir froh wieder gehen, und somit dem großen Ansturm entkommen zu können.

Am Nachmittag wollten wir noch eine Runde mit dem Schiff über den Lake Powell fahren und die Rainbowbridge ansehen, aber als wir hörten, dass diese Schifffahrten zwischen 50 und über 80 Dollar kosten, haben wir uns entschlossen, lieber in einen Waschsalon zu gehen und unsere Wäsche zu waschen. Ich war noch nie in einem deutschen Waschsalon, aber in Amerika ist das wirklich ein Erlebnis. Schon allein der Waschmaschinen wegen! Diese Maschinen sind wirklich toll, man kann bequem seine Wäsche von oben einfüllen, ein wenig Waschmittel dazu und schon kann es losgehen. Die Trommel dreht sich auch um ihre eigene Achse, nur läuft diese nicht waagrecht sondern hochkant, was bedeutet, dass die Wäsche nicht durcheinander gewürfelt sondern nur an die Wand der Trommel gedrückt wird. Wirklich sauber haben wir unsere Klamotten also nicht bekommen, aber sie haben wenigstens wieder frisch gerochen.

Zurück im Hotel haben wir uns aufs Bett geworfen und den Rest des Nachmittags vor dem Fernsehen verbracht. Das Blumi und ich sind ja zu richtigen Disneychannel-Fans mutiert, und auch die anfänglichen sprachlichen Probleme beim Fernsehen gaben sich im Laufe der Zeit.

Wir hatten einen wirklich beschaulichen Nachmittag, bis das Zimmertelefon klingelte und der Guido sich am anderen Ende der Leitung mit "Wir haben ein Problem!" meldete. Er hat mir dann kurz erklärt, dass wir unserm Zeitplan einen Tag voraus wären, dass wir in Page alles gesehen hätten, und das Zimmer am Bryce-Canyon erst für die Nacht Sonntag auf Montag gebucht wären. Ich brach in schallendes Gelächter aus als ich das hörte, und erntete dafür von der Blumi, die auf dem anderen Bett lag und sich mit der Fernbedienung unseres Fernsehers beschäftigte, verständnislose Blicke. Wir beschlossen, das "Problem" beim Abendessen zu besprechen; wir wollten auf keinen Fall noch eine Nacht länger in Page bleiben, und so haben wir lieber die Strecke zwischen Page und dem Bryce-Canyon in zwei ungefähr gleich große Teile geteilt, und sie auf zwei Tage umgelegt.