22.07. - 24.07. Grand Canyon / AZ

Nachdem wir unsern Hunger gestillt hatten, haben wir uns wieder ins Auto geschwungen und weiter ging es in Richtung Grand Canyon. Die Landschaft wurde immer freundlicher, und als wir schließlich zum Tanken anhalten mussten, waren wir irgendwo mitten im Wald. Der Souvenirshop, der zur Tankstelle gehörte, war interessant aber nicht wirklich lohnenswert, und so ging es bald weiter auf einer Straße, die gerader gar nicht hätte sein können. Es ging immer wieder leicht bergauf, und dann wieder bergab, aber immer geradeaus. Die Bäume wurden immer niedriger und zum Schluß waren es eher Sträucher als Bäume, und dann plötzlich waren wir da. Ohne Vorankündigung gähnte auf einmal ein riesiges Loch in der Landschaft vor uns.

Schnell haben wir unser Zimmer im vorgebuchten Hotel bezogen, das dieses Mal aus langen einstöckigen Gebäuden bestand und haben uns dann auf den Weg an den "Rim", den Rand gemacht. Als wir dann endlich dort angekommen sind, hat es sogar mir die Sprache verschlagen. Mal ehrlich, man hat ja den Grand Canyon schon mal im Fernsehen gesehen, aber ich hätte nie gedacht, dass er so beeindruckend ist.

Allerdings gibt es dort kein Handynetz! Zumindest keines, das man als D1-Kunde nutzen kann. Aber was soll's, so hatten wir wenigstens unsere Ruhe.

Wir haben an diesem Abend auch noch zwei New Yorker getroffen, die irgendwas in den Canyon gerufen haben und denen das Echo alias Guido geantwortet hat.

Ich kann's euch sagen, New Yorker haben einen üblen Slang! Der Vater hat sich ja Mühe gegeben, und den hab ich auch astrein verstanden, aber der Sohn... keine Ahnung was der so von sich gegeben hat.

Zum Abschluß des Tages waren wir Steak essen, in einem richtig süßen Restaurant, in dem man sich gleich 100 Jahre zurückversetzt gefühlt hat. Echt, wenn ich mir nicht meines Geburtsdatums sicher gewesen wäre, dann hätte man mich vielleicht davon überzeugen können, dass ich Molly Robinson heiße, und die Schwester vom Trapper John bin. Und damit die Kellner auch in das Gesamtbild gepaßt haben mussten sie alle Cowboykostüme tragen.

An diesem Abend habe ich für mich persönlich die These aufgestellt, dass man, um so weiter man nach Osten kommt, immer mehr das Gefühl hat, im "wilden Westen" zu sein.

Dienstag 23. Juli 2002 Der Tag der Eichhörnchen

Es sollte der große Grand-Canyon-Ablatschtag werden! Wir sind erst mal ins Hotelrestaurant gegangen, einem Selbstbedienungsladen, in dem wir unser Frühstück zu uns genommen haben. Es gab wie fast überall auch hier diesen geradezu himmlisch aussehenden Blaubeerkuchen, und von dem hab ich mir dann auch gleich ein Stück gekrallt. Allerdings war das der einzige, den ich in diesem Urlaub gegessen habe, denn ich habe noch nie einen Kuchen gegessen, der so voll war mit Früchten, und am Ende gar nicht nach Frucht sondern ausschließlich nach Zucker geschmeckt hat. Dafür gab es Milch und Saft, und nachdem ich den halben Kuchen entsorgt hatte, weil ich einfach keinen Bissen mehr davon runter bekommen habe, sogar noch ein Hörnchen. Zuletzt haben wir jeder noch ein Sandwich als Wegzehrung gekauft, und haben uns dann vor dem Hotel in den Bus gesetzt, um den ersten offiziellen Aussichtspunkt am Canyon anzufahren. Der Bus kostet nichts, und so sind wir dann von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt gefahren, und aus dem großen Grand-Canyon-Ablatschtag wurde der große Grand-Canyon-Abfahrtag. Ok, einmal sind wir zwischen zwei Aussichtspunkten gelaufen, und das wäre auch wirklich nicht weit gewesen, wenn die zwischen drin nicht einfach ein riesiges Gebiet abgesperrt, und uns somit den Weg abgeschnitten hätten. Nachdem wir dann eine ganze Weile durchs Unterholz gestiefelt sind, haben wir auch die nächste Bushaltestelle gefunden, an der wir uns leider trennen mussten. Der Guido und ich sind noch geblieben, um Bilder zu machen, und die Blumi und die Marion sind mit dem Bus vor unserem gefahren, weil sie dringend eine Toilette gebraucht haben. Ok, wir hätten auch mitfahren können, denn Bilder haben wir vom Grand Canyon weis Gott genügend, aber man will ja jede Kleinigkeit im Bild dokumentieren, und man hätte ja vielleicht ein tolles Foto verpasst, wenn man den Aussichtspunkt nicht komplett abgelaufen wäre.

Der Mensch ist sicher die am stärksten vertretene Spezies am Grand Canyon, aber an zweiter Stelle kommen gleich die Eichhörnchen und diese kennen nur wenig Scheu. Der Blumi ist z. B. die Tomatenscheibe aus dem Sandwich gefallen, und prompt haben sich die Hörnchen beinahe drum geprügelt.

Wenn man nicht aufpasst, tritt man auf die kleinen Nager, so viele gibt es dort. Diesem Umstand haben wir es auch zu verdanken, dass wir einige schöne Bilder mit Eichhörnchen machen konnten.

Abends waren wir dann im IMAX, so einem Kino mit einer übergroßen Leinwand, in dem man die Geschichte des Grand Canyons in einer 30-minütigen Dokumentation bestaunen konnte. Am geilsten waren die Szenen wo aus einem Hubschrauber gefilmt wurden, der knapp überm Colorado durch den Canyon geflogen ist. Das war besser wie Achterbahn fahren! Danach waren wir dann nur noch Pizza essen bevor wir ins Bett gefallen sind.

Mittwoch 24. Juli 2002 Das Heiligtum der Navajoindianer

Wir hatten am Vorabend schon beschlossen, dass wir uns einen Sonnenaufgang am Grand Canyon anschauen wollen, und das war nun also unsere letzte Chance. Allerdings hatten wir einen kleinen Disput mit der Uhr, denn wir waren uns nie ganz sicher, in welcher Zeitzone wir uns befanden, und das ist zugegebenermaßen auch nicht ganz einfach. Arizona, wo sich der Grand Canyon nun mal befindet, ist eigentlich den Kaliforniern eine Stunde voraus, allerdings hat Arizona im Gegensatz zu Kalifornien keine Sommerzeit und darum sind die beiden Staaten im Sommer synchron was die Uhrzeit angeht. Die Navajoindianer aber, deren Reservat auch in Arizona liegt, die haben Sommerzeit und sind somit sowohl den Kaliforniern als auch dem Rest von Arizona eine Stunde voraus. Da muss man zweimal am Tag die Uhr umstellen! Wie dem auch sei, unser Wecker hat uns eine Stunde zu früh geweckt, woraufhin wir beschlossen haben uns noch mal herumzudrehen und noch eine Runde zu schlafen. Das wiederum war äußerst verhängnisvoll, denn als eine Stunde später wieder der Wecker geklingelt hat, brachte einzig und alleine die Marion genügend Kraft und Überwindung auf, um sich anzuziehen und das Zimmer zu verlassen. Sie hat ja genügend Fotos gemacht und so fand ich es nicht so tragisch, dass ich persönlich nicht dabei war.

Als es dann schon einige Zeit hell war, und wir uns alle durchs Bad gequält hatten, setzte wieder ein Prozeß ein, an den wir uns zu diesem Zeitpunkt schon gewöhnt hatten: Alles was herumlag wieder zurück in die Koffer packen und alles ins Auto verstauen. Lästig, aber bei dieser Art von Urlaub kaum zu vermeiden!

Als wir dann auch noch die Postkarten die wir geschrieben haben eingeworfen hatten, konnte die Reise weitergehen. Heute stand Monument Valley auf dem Reiseplan!