18.07. - 20.07. Anaheim / CA

Wir haben es sogar geschafft, bis zu unserer Autovermietung zu kommen, und unser Auto abzuholen. Da hatten wir schon das erste Problem: Wir wollten die hinterste Sitzreihe ausbauen, um mehr Stauraum zu bekommen, was bei 4 Koffern auch von Nöten war.

Wir haben es auch geschafft, und beschlossen, den Guido noch mal an den Schalter zurückzuschicken um nachzufragen wo man die Sitzbank abgeben könnte. Man hat ihm dort erklärt, dass es keinen Platz gibt, wo diese gelagert werden könnte und somit blieb sie im Auto. Nun ja, wir haben eben die Hälfte des Gepäcks auf dieser Bank untergebracht, und darüber spekuliert, was man tun muss, wenn man mit 7 Personen plus Gepäck in diesem Auto reisen will. Das ist nämlich laut Katalog möglich!

Alles verstaut haben wir uns dann auf den Weg ins Hotel gemacht. Der Mathematikprofessor, der im Flugzeug neben der Marion saß, hatte uns prophezeit, dass wir um diese Zeit mindestens eine Stunde bis Annaheim brauchen würden, und dem war dann auch so. Ich bin bis heute noch fasziniert von den Kreuzungen in dieser Stadt, und der Tatsache, dass anscheinend alle genau wissen, wie sie fahren müssen. Alle mit Ausnahme von uns natürlich! Ich hab versucht, L.A. mit einer deutschen oder zumindest europäischen Großstadt zu vergleichen, aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit!

Wir haben es allerdings doch geschafft unser Hotel zu erreichen, und sogar noch ein Abendessen in der nahegelegenen Spaghetti Station zu ergattern, um dann todmüde ins Bett zu fallen!

Freitag 19. Juli 2002 – Mickey Mouse und Co.

Heute war Disneyland angesagt! Darauf hab ich mich schon gefreut, als wir in L.A. gelandet sind. Im Hotel haben wir Tickets bekommen, mit denen man kostenlos mit dem Bus bis vor die Tore des Parks fahren konnte. Die knappen 50 Dollar Eintritt fand ich zwar ein wenig übertrieben, aber wenn man schon mal da ist, dann bezahlt man eben auch 50 Dollar um rein zu dürfen! Dafür wird ja auch einiges geboten! Ich glaube, dass es in Deutschland keinen vergleichbaren Park gibt. Gut, Warner Brothers-Movieworld im Ruhrpott dürfte von der Art in etwa Disneyland entsprechen, aber natürlich nicht in diesen Dimensionen!

Am besten gefallen haben mir diese 3D-Kinos, vor allem das mit den Muppets! Da kommt man in ein Theater, das aussieht, wie das Theater von der Muppets-Show und oben rechts von der Leinwand, ist auch dieser Balkon mit den zwei Alten, und die labern auch die ganze Zeit. Am besten fand ich folgenden Dialog:

"Hey look the guy with the goofy-mask!"
"That´s no mask!"
"Oh... sorry lady!"

Oder in "Liebling ich habe die Kinder geschrumpft" wird das Publikum geschrumpft, und dann kann man sehen, wie einen der Hund beschnüffelt und dann muss er niesen, und es spritzt einem tatsächlich Wasser entgegen. Ich hoffe zumindest, dass es sich um ganz normales Leitungswasser gehandelt hat. Da ging aber ein entsetzter Ruck durchs Kino.

Und eine geile Achterbahn haben die...!!! Die Blumi und die Marion wollten gleich gar nicht mitfahren, aber der Guido und ich, wir sind ja todesmutig und haben sogar die Plätze in der ersten Reihe des Zuges ergattern können. Ob das allerdings so gut war, da bin ich mir heute nicht mehr sicher! Wir sind eingestiegen, der Zug ist losgefahren, unter einer Fußgängerbrücke durch um eine Linkskurve und dann ist er stehen geblieben. Dem Guido war das gleich nicht ganz geheuer, weil zwischen den Schienen keine Kette war, die den Zug wieder hätte in Bewegung setzen können. Dafür befanden sich kleine weiße Kästchen zwischen den Schienen, die mit Wasser besprüht wurden. Der Guido hat noch gedacht: "Linearmotor!", ich hab gar nix gedacht, sondern fröhlich den Guido vollgelabert, und dann auf einmal ging's los.

Es hat uns in den Sitz gedrückt, die Backen in unseren entsetzten Gesichtern hat es fast bis hinter die Ohren gezogen, und der Mund wurde unwillkürlich zu einem permanenten Grinsen verzogen, egal ob man das nun lustig fand oder nicht. So hat die Bahn auf einer Strecke von vielleicht 100 Metern tierisch beschleunigt, und dann ging's erst mal beinahe senkrecht nach oben. Gott war ich froh, als ich wieder aussteigen durfte! Die Parade am Abend fand ich zwar nicht ganz so berauschend wie man's aus dem Fernsehen kennt, aber dafür wissen wir jetzt, wie Zeichentrickfiguren geboren werden.

Aber das Erlebnis schlechthin hatten wir beim Hot-Dog-Essen! Unser erster Tag in den Staaten sollte ja mit einem richtig amerikanischen Mittagessen anfangen und darum haben wir uns in Toontown an einen Hot-Dog-Stand gewagt. Wir haben jeder einen Hot-Dog und ein Getränk bestellt, und uns dann mit viel Glück einen Tisch ergattert. Zuerst hab ich mich schon ein bißchen darüber gewundert, dass es zum Hot-Dog Kartoffelchips gab, aber man läßt sich ja nichts anmerken. Wir also die Verpackung vom Hot-Dog abgerissen und festgestellt, dass wir ein nacktes Würstchen in einem matschigen Brötchen haben. Zum Glück gibt es scharfe Beobachter unter uns, die bereits beim Einkaufen bemerkt haben, dass es am Rand des Platzes mit dem Stand und den Tischen einen Tisch gab, auf dem Senf, Ketchup, Röhrchen, Servietten etc. lagen. Also haben wir das Blumi losgeschickt, um selbiges zu organisieren, und sie bringt kleine rote Tüten und kleine gelbe Tüten und kleine grüne Tüten. Der Inhalt von rot und gelb war schnell geklärt, es handelte sich ganz einfach um Ketchup und Senf, aber die grünen Tütchen machten uns schon etwas Kopfzerbrechen. Nach intensivem Studium des Aufdrucks waren wir allerdings noch immer nicht schlauer, und so hab ich mich eben geopfert, das Päckchen aufgerissen, und das heraus quillende Zeug probiert. Und siehe da es handelte sich um Essiggurken! Genaugenommen sah die Pampe aus, als hätte man ein Glas Essiggurken mit allem drum und dran durch einen Mixer gejagt. Nicht sonderlich appetitlich, aber schmackhaft!

Der Tag war insgesamt wirklich ereignisreich, und ich glaube, dass wir alle froh waren, als wir endlich in unser Bett kuscheln durften. Aber das Schicksal schwebte wie ein Damoklesschwert über uns, oder besser gesagt über mir, und wollte mir keine friedliche Nachtruhe gönnen. Ich weiß nicht, wieviel Uhr es war, aber es war mitten in der Nacht, draußen war es stockdunkel, da hat es auf einmal einen Schlag getan, dass ich zu Tode erschrocken bin. Auch das Blumi saß mit einmal aufrecht im Bett und war hellwach. Allerdings hatten wir beide keine Ahnung, was die Ursache für dieses Geräusch war, und so beschlossen wir einfach weiter zu schlafen.

Am nächsten Morgen aber sollte sich das Rätsel um den nächtlichen Krach lösen. Die Bretter auf denen mein Bett stand waren zusammengebrochen.

Ich weiß ja, dass ich nicht gerade ein Fliegengewicht bin, aber dieses Bett ist normalerweise für zwei Personen gedacht, und hätte mich also schon aushalten müssen. Na ja, es war zwar furchtbar peinlich, aber nicht mehr zu ändern.

Samstag 20. Juli 2002 – Wo die Schönen und Reichen wohnen!

Nachdem wir, oder besser die Marion, die wir vorausgeschickt haben, an der Rezeption die Sache mit dem Bett geklärt hatten, sind wir dann zum zweiten mal todesmutig in den Frühstücksraum des Motels gestiefelt. Wer in den USA eine Übernachtung mit Frühstück bekommt, sollte sich keine allzu großen Hoffnungen machen, was die Nahrungsaufnahme am Morgen angeht. Man bekommt im allgemeinen ein sogenanntes "continental breakfast". Was man sich darunter vorzustellen hat, wußten wir auch nicht so genau, aber wir haben es natürlich getestet. Ich glaube, dass das "continental breakfast" nur "continental breakfast" heißt, weil es sich gut anhört. Ein tieferer Sinn kann wohl kaum dahinter stecken, denn dieses Frühstück sieht überall anders aus. Im Normalfall gibt es Donuts mit allen nur erdenklichen Glasuren, schlechten Kaffee und Orangensaft der schmeckt wie BASF ohne Kohlensäure. In unserem ersten Super-8-Motel allerdings gab es sogar Toast, und zwar normalen Toast und man höre und staune, auch Vollkorntoast. Weniger clever war allerdings die Platzierung des Toasters, denn der stand genau unter dem Feuermelder. Und prompt hat dieser am ersten Morgen auch angefangen zu piepsen. Eine Angestellte hat dann verzweifelt versucht, den Toaster wo anders aufzustellen, aber sie hat keine andere Steckdose mehr gefunden. Am zweiten Morgen war dann der Feuermelder abmontiert. Problemlösung auf kalifornisch!

Der absolute Überhammer waren die Amis, die ihren Toast erst mit Butter beschmiert, und ihn dann in den Toaster gesteckt haben. Diese Methode ist nicht nur recht ungewöhnlich, sondern in Anbetracht der Tatsache, dass auch noch 100 andere Gäste diesen Toaster benutzen wollen ziemlich egoistisch. Ich finde es zumindest nicht sonderlich appetitlich, wenn ich mein Toastbrot in einen vor Fett triefenden Toaster stecken muss!

Nach einem mehr oder weniger üppigen Frühstück haben wir uns dann auf den Weg gemacht, um auf den Spuren der Schönen und Reichen durch L.A. zu wandeln.

Beverley Hills und Bel Air sind zwei wirklich schöne Stadtteile, in denen man sich als Normalsterblicher aber kaum wohl fühlen kann. 1. Wird einem beinahe schlecht, wenn man sieht, wie manche Leute wohnen, und 2. patrouillieren Polizei und Security die ganze Zeit durch die Straßen und schauen einen immer an, als wäre man bereits ein verurteilter Verbrecher. Alles ist kameraüberwacht und mit hohen Zäunen oder Mauern umgeben. Mal ehrlich, wenn ich da wohnen würde, würde ich mich nicht trauen, beim Nachbarn zu klingeln und um eine Tasse Zucker zu bitten, und zwar nicht, weil mir das peinlich wäre, nein, weil ich Angst hätte, dass der Garten und die Hofauffahrt vermint sind und von einer Selbstschussanlage überwacht werden.

Der Hollywood-Boulevard mit seinen Sternchen darf natürlich auch nicht auf einer Touristentour fehlen und so haben wir erst mal eine wie ich finde stolze Summe für den Parkplatz bezahlt, und ich hab mir eine Zeitung gekauft, in der nicht nur ein genauer Plan aller Sternchen auf den Gehwegen war sondern auch viele Adressen von vielen berühmten Persönlichkeiten. Besucht haben wir keinen, aber dafür jede Menge Sternchen fotografiert!

Ausserdem kann man dort an jeder Ecke Oscars kaufen. Große, kleine, mittlere, goldene, silberne, leichte, schwere, metallene und sogar welche aus Plastik. Und es gab sie mit allen nur erdenklichen Titeln, wie z. B. bester Freund oder beste Freundin, beste Oma, bester Opa, beste Mama, bester Papa, beste Schwester, bester Egozentriker, bester Pyromane, bester Choleriker usw.

Anschließend haben wir versucht eine Straße zu den Hollywood-Buchstaben zu finden. Ich hab schätzungsweise eine halbe Stunde lang vorgeschlagen, wir sollten doch die Straße zum Observatorium nehmen, weil sich dieses zumindest mal auf dem selben Hügel befand, aber gehört hat keiner auf mich. Schade, denn so haben wir die Buchstaben nur aus der Ferne gesehen. Irgendwann haben dann auch unser Fahrer und unsere Kartenleserin aufgegeben und wir haben uns auf den Weg nach Palm Springs gemacht, wo wir die nächste Nacht schlafen wollten.